Das ist meine Welt
von Johanna Buch
Wieder einmal erzählt mein Großvater uns Kindern die Geschichten vergangener Zeiten. Er sagt, daß die Welt nicht immer so gewesen sei, die graufarbigen Platten, die unsere Wohnung einzäunen waren wohl nicht immer da. Früher gab es wohl das braune, warme Gekrumel in dem wir unterirdisch leben auch an der Oberfläche und auch Regenwurm Anton gab es dort ganz oft, ebenso viele Käfer, groß, klein, dünn, dick. Das Leben, so erzählt Opa muß sehr schön gewesen sein, und es gab sehr viele von diesen großen, braunen nährreichen Pflanzenriesen ,die oben auf eine grüne Krone tragen. Jetzt steht nur noch ein Ding davon, meine Freunde und ich benutzen es als Spielplatz. Aber so unbekümmert und gefahrenlos, wie es vielleicht scheint ist unser Leben bei weitem nicht. Es gibt da diese großen häßlichen Riesen, die uns versuchen zu vertreiben und umzubringen. Opa sagt, das es die da waren, die unsere 1A-Wohnlage so radikal verschlechtert haben. Auch haben diese beweglichen Riesen große und sehr breite graue und weiße Kästen hingestellt, mein Freund Horst und ich wollten auf einer unserer Abenteuerreisen das Innenleben eines solchen Kastens erkunden. Da gab es große braune Teile, auf denen die Riesen saßen und aus einem schwarzen Ding kam ohrenbetäubender Lärm. Mehr konnten wir leider nicht erkunden, da die Riesen uns gesehen und versucht haben, uns zu töten. Aber so einen richtigen Ameisenjungen kriegt so leicht niemand, meinen Freund Horst schon, er ist leider in die falsche Richtung gelaufen. Aber naja, diese Riesen sind auf jeden Fall sehr böse und sehr, sehr häßlich! Ständig versuchen sie uns mit ihren riesengroßen Bodenberührern an den Kragen zu gehen, oder uns mit einer heißen - wirklich furchtbar heißen Flüssigkeit das Leben zu nehmen. Mami sagt, das währe unverschämt, schließlich waren wir ja zuerst da. Meine ich auch, sie sind vielleicht größer als wir, aber mehr Rechte haben sie dadurch noch lange nicht ! Opa erzählt von dem schönen Leben und das uns jede Ameise im näheren Umkreis um unsere schöne Wohnung beneidet hat, aber das ist ja jetzt wie schon gesagt der Vergangenheit zuzurechnen. Mein Opa lehrt uns sehr viele Dinge, welche Ecke unseres Reviers die meisten Essenvorräte aufweist, welchen neuen Platz sich die böse und egoistische Spinne Rita ausgesucht hat und noch viele andere informative Themen - mein Opa ist nämlich sehr schlau. Zum Schluß seines Erzählens schickt er uns mit der Frage "Was ist meine Welt" nach Hause. Sehr schwierig. Am liebsten würde ich mir keine Gedanken darüber machen, aber Mami hat gesagt, wenn ich das nicht tue, darf ich Papi nicht zu seiner nächsten Expeditionsreise begleiten. Pure Erpressung. Ich armer Ameisenjunge, aber was tut man nicht alles, um seine Mami ruhig zu stellen ! Meine Welt, daß ist unsere Wohnung, meine Familie und Freunde, Regenwurmonkel Anton, die grauen Platten, der super große braune Riese unseres Reviers, was sich vom links liegenden grünen verwurschtelten Ding am braunen Riesen vorbei bis zum Ende des grauen Kasten zieht. Meine Mami ist sehr stolz darauf, daß unsere Sippe so viel Land besitzt. Sie sagten, daß mein Papi der stärkste Ameisenpapi der Welt sei. Und das sind wir wieder beim Thema : Die Welt. Sehr, sehr schweres Thema! Über meine Welt habe ich mich ja schon ausgelassen, aber Papi hat nach einer seiner Kundschaftsreisen erzählt, daß es da noch viel mehr gibt. Ganz viel große braune Riesen, aber auch ebenso eine Menge grauer Kästen und wieder diese häßlichen, sich bewegenden Riesen. Aber da war ich noch nie. Papi hat mir verboten, unser Revier zu verlassen, weil es angeblich zu gefährlich sei- PAAH! Dabei bin ich schon so groß und stark! Ich fürchte mich vor gar nichts, auch nicht vor der gräßlichen Spinne Rita! Meine Welt ist wie schon erwähnt sehr groß und anstrengend, aber schön - auch mit den häßlichen Riesen, die sind nämlich so dumm, die kriegen uns ja doch nicht ! Bald, so sagt mein Vater, gehört das alles mir, dieses große Gebiet ! Aber so eine riesen Welt macht sehr schnell müde und ist wirklich sehr sehr anstrengend. Wenn ich groß bin möchte ich alles erkunden, ich werde die Reviere unserer Nachbarsippen durchsuchen und so wird meine Welt mit mir wachsen.